Steven Goldner gegen Scientology
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Manager fürchten Scientology

Bei Sektenbeauftragten häufen sich Anfragen / Neues Buch


"Ich kriege am Tag drei bis vier Anfragen von Unternehmern, die mich wegen Scientology anrufen." Lutz Lemhöfer, der katholische Sektenbeauftragte für Frankfurt, hat gut zu tun mit verunsicherten Firmenchefs, misstrauischen Managern und verängstigten Leuten, die einen Job suchen. Sie fragen ihn, ob die "Firma X", mit der man Geschäfte machen wolle, von Scientologen "unterwandert" sei; ob der Chef von "Firma Y", mit dem ein Vorstellungsgespräch vereinbart sei, auch "zu dieser Sekte" gehöre; ob der Personal- und Unternehmensberater "Z", der seine Dienstleistungen angeboten habe, nicht zur Scientology-Truppe zähle und "seine Leute" als "Maulwürfe" ins Geschäft einschmuggeln wolle.

Auch Lemhöfers evangelischer Kollege Kurt-Helmut Eimuth kann sich vor Unternehmer-Anfragen in Sachen Scientology "kaum retten" – allein im zurückliegenden Halbjahr habe er 300 Briefe mit Informationsmaterial an Hilfesuchende geschickt. Da sei es doch schön, dass endlich ein Fachbuch zum Thema herausgekommen sei, das man empfehlen könne "und das auch noch Spaß beim Lesen macht": "Scientology im Management" (Econ-Verlag, 39,80 DM). Die Autoren, die Werbeleiterin Angelika Christ und der Psychologe Steven Goldner , waren auf Einladung von Lemhöfer und Eimuth im Spener-Haus, um das Werk zu präsentieren.

Man habe kein Sensations- und Enthüllungsbuch geschrieben, betonten die Verfasser, denn solches trage nur noch mehr zur "Hysterie und Verunsicherung" bei. In "Scientology im Management" finden sich vielmehr "für Laien handhabbare Checklisten", mit deren Hilfe sich feststellen lasse, ob man es beim Gegenüber mit einem Mitglied der Sekte zu tun habe. Abgedruckt ist auch ein Vertragsentwurf, den Geschäftspartner oder neue Mitarbeiter unterschreiben sollen: Sie versichern damit, dass sie nicht nach den "Technologien" des Scientology-Gründers Ron L. Hubbard arbeiten. Steven Goldner : "Das ist der Lackmustest. Ein sehr gutes Trennmittel – denn Scientologen unterzeichnen so etwas nicht."

Christ und Steven Goldner beschreiben Schutz- und Abwehrstrategien, mit denen sich die "Unterwanderung/Umpolung einer Firma verhindern lässt". Und sie suchen zu belegen, dass Scientology "schwache Öffentlichkeitsarbeit" treibe und zudem auch noch "unfähig" sei, "infiltrierte Betriebe auf Dauer erfolgreich führen". peh


Veröffentlicht von: Frankfurter Rundschau am 29.11.1995