Steven Goldner gegen Scientology
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Trojaner 96



Schutz vor Scientology im Unternehmen


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Die Diskussion um Scientology läuft auf vollen Touren: Filmboykotte ja oder nein? Durch den Verfassungsschutz prüfen oder Scientology verbieten? Schelte aus den USA richtig oder nicht? Politiker überbieten sich in den tollsten Parolen, fordern gar Berufsverbote für Scientologen.

Amerikanische Politiker sind der Strategie von Scientology, sich als arme verfolgte Minderheit in Deutschland darzustellen, auf den Leim gegangen. Es ist schon ein Tollhaus: eine Organisation, die sich von den Zielen und den Handlungsweisen als totalitär erwiesen hat, steckt sich selbst in die Opferrolle und vergleicht sich mit den verfolgten Juden des dritten Reiches. Allerdings: Das Sommerloch wurde von aktionistischen ‘Sektenkritikern’ mißbraucht, die dem Kampf gegen die Organisation mehr Schaden als Nutzen zugefügt haben. Wann lernen die Hexenjäger unter den deutschen Kritikern endlich, die TATEN der Organisation statt den haarsträubenden GLAUBEN anzugreifen? Angriffspunkte gibt es mehr als genug. Hoffentlich finden bald auch die seriösen Politiker/-innen international den Weg in die Schlagzeilen. Dann kann der totalitäre Charakter von Scientology noch mehr deutlich und damit die Strategie „arme verfolgte Minderheit“ unwirksam gemacht werden.


Aber Sie, liebe Leser, interessiert neben der politischen Diskussion wahrscheinlich noch viel mehr, wie Sie sich vor Scientology bzw. WISE1, der scientologischen Wirtschaftsorganisation, in ihrem Umfeld - sprich Unternehmen oder Verband - schützen können. Gründe dafür gibt es mehr als genug:

Scientology ist ein totalitäres System, das den Zustand abschaffen will, daß alle Menschen gleiche Rechte haben.

Scientology implementiert bei WISE-Mitgliedsfirmen eine „Technologie“, die selbst in den 50er Jahren schon ihre Macken aufwies. Ein paar Stichworte:

Überbürokratisierung: Einführen eines „Ethik-Offiziers“ zur Kontrolle der Mitarbeiter

Management by Statistics: Einführen des kurzfristigen Denkens (Statistiken sind immer donnerstags fällig): Mit „hard sale“, einem harten Vertriebsstil, werden Kunden über den Tisch gezogen: zunächst wird der Umsatz angeheizt, aber langfristig die Kunden-Zufriedenheit abgebaut.

weitestgehende Kontrollbefugnis durch WISE

extrem überteuerte monetäre Forderungen für „Beratungs“leistungen“, Lizenzen (z. B. bis zu 18 % vom Umsatz!), Seminare und Bücher

Schulungen für die Mitarbeiter nach dem hubbard’schen Gedankengut, mit vielen Elemente von Gehirnwäsche

ein autoritärer Führungsstil, der die Motivation und Leistung Ihrer Mitarbeiter mindert

Scientology behandelt Mitarbeiter mit Methoden, die wir als unwürdig empfinden; die Löhne liegen oft weit unter Tariflöhnen.

Die Qualitätsmängel der angebotenen Waren und Dienstleistungen sind erheblich, z.B. die Tests für Bewerber, und schaden Ihrem Unternehmen.


Schutz vor Scientology

Nun haben Sie einige Gründe, Scientology für Ihr Unternehmen abzulehnen. Sofort danach stellt sich aber die Frage: wie schütze ich mich davor? Wie verhindere ich es, daß sich eine „Tarnfirma“, die das Etikett von Scientology nicht ins Logo integriert hat, in meinem Unternehmen Fuß faßt? Wie verhindere ich es, daß scientologische Bewerber einen Vertrag bekommen, um dann ihr System in meiner Firma ausbreiten zu können?

Distanzierung bei externen Anbietern und Bewerbern

Ein vielfach benutztes und bewährtes Mittel ist die schriftliche Distanzierung, die Ursula Caberta, Leiterin der ‘Arbeitsstelle Scientology' des Hamburger Senats, entwickelt hat:

Vertraglicher Schutz

"Ich erkläre hiermit, daß

1.ich bzw. meine Firma nicht nach der Technologie von L. Ron Hubbard arbeiten,

2. weder ich noch meine Mitarbeiter auf meine Veranlassung nach der Technologie von L. Ron Hubbard geschult werden bzw. keine Kurse und/oder Seminare nach der Technologie von L. Ron Hubbard besuchen,

3. ich die Technologie von L. Ron Hubbard zur Führung eines Unternehmens ablehne und

ich nicht Mitglied der IAS = International Association of Scientologists bin."

Sollte sich eine Aussage als unwahr herausstellen oder in Zukunft verletzt werden, stellt dies einen wichtigen Grund zur fristlosen Kündigung dieses Vertrages dar. Außerdem verpflichte ich mich für diesen Fall zur Zahlung einer Vertragsstrafe in Höhe von DM ............


Die Vertragsstrafe sollten Sie so hoch wie möglich ansetzen. Ein Ansatzpunkt ergibt sich z.B. aus dem Auftragswert des letzten Halbjahres, wenn es um einen Dienstleister geht. - Sofern es um die Zusicherung einer einzelnen Person geht, z.B. Bewerber oder Mitarbeiter des Unternehmens, können Sie die beiden ersten Punkte entsprechend umformulieren und die Vertragsstrafe weglassen.

Worauf es ankommt

In dieser Absicherung ist das Stichwort 'Hubbard-Technologie' wesentlich. Dieses kennzeichnet den Kern der scientologischen 'Erziehung'. Bisher ist noch kein Fall bekannt, in dem ein Scientologe das Bekenntnis zu dieser Technologie verleugnet. Mit folgender Versicherung würden Sie sich selbst hereinlegen: "Ich bin nicht Mitglied von Scientology" oder "Ich bin kein Scientologe". Viele scientologisch geschulte Menschen können diese Versicherung locker abgeben: Nach unserem Wissen stehen nur manche Scientologen im formalen Status einer Mitgliedschaft bei 'Scientology'.

Nicht nur Scientology

Allerdings müssen wir auch einschränken: die Abgrenzung richtet sich ausschließlich an die scientologische Variante der totalitären Methoden von Psycho-Kulten. Scientology hat auf den Versuch der Gehirnwäsche kein Monopol. Auch andere Systeme versuchen in Firmen Fuß zu fassen. Wir registrieren zunehmend Gruppen, die speziell auf die Wirtschaft zugeschnitten sind. Deren Auftritt enthält keinerlei Religion. Sie akquirieren mit ansprechenden Begriffen wie ‘Erfolg’ oder ‘Persönlichkeitsentwicklung’.

Qualität prüfen statt Mitgliedschaft:

Qualität ist das beste Rezept!

Das kritische Beobachten greift bei Psycho-Kulten besser als juristische Formeln und Schwarze Listen. Der Schutz für Ihre Firma liegt in klaren Anforderungen an die Qualität von Leistungen. Diese können Sie in den Unternehmensgrundsätzen, in den Qualitätshandbüchern und in den Stellenbeschreibungen verankern. Und wieder gilt: Ideologie, Philosophie und Weltanschauung können Sie getrost ignorieren!


Woran erkenne ich ....?“

Qualitäts-Kriterien machen es überflüssig, daß Sie erst ein Sekten-Experte werden müssen, um zu prüfen, ob jemand zu Ihrer Firma paßt. Nehmen wir z.B. einen Trainer, dessen Seminare für Ihre Mitarbeiter interessant sein könnten. Hierfür haben wir eine Reihe von Prüffragen formuliert, deren Antworten Ihnen in den meisten Fällen helfen können, über eine mögliche Zusammenarbeit zu entscheiden:

NEUN PRÜFFRAGEN2

Werdegang: Ausbildung? Mindestens dreijährige Erfahrung?

Referenzen: Liegen nachprüfbare und seriöse Referenzen vor?

Scientology-Begriffe: Wird benutzt: Dianetics? L. Ron Hubbard? OCA-Test?

Aufdringlichkeit: Ist die Akquisition anmaßend und vorwurfsvoll?

Vorbilder: Welche Personen, Theorien und Konzepte werden als Orientierung angegeben?

Euphorische Empfehlung: Erhielten Sie von einer vertrauenswürdigen Person eine überschwengliche Empfehlung?

Versprechungen: Geht es um grundlegende Veränderungen in der Firma? Wird in Aussicht gestellt, daß Ihre Mitarbeiter schlagartig anders werden?

Menschenbild: Klingt alles nach ‘gut’ und ‘böse’? Wird für eine harte Gangart und für Drill geworben?

Verweigerter Einblick: Werden Abläufe und Methoden erläutert? Wird Ihnen der Besuch eines Seminartages gestattet?


Wie arbeiten Sie mit Prüf-Fragen?

Isoliert betrachtet, wirkt manche Frage vielleicht befremdlich. In der Kombination erhalten die Punkte erst ihren Sinn! Je nachdem, wie viele negative Antworten Sie erhalten, wird ein Verdacht erhärtet oder entkräftet. Vertrauen Sie einfach Ihrem Gesamteindruck!

Welche Konsequenzen ziehen Sie?

1. Bestätigter Verdacht Eindeutige Antworten in Richtung: "Arbeitet ganz offensichtlich mit Methoden, die wir ablehnen." Der Fall ist klar: Sie gehen keine Geschäftsbeziehung ein bzw. lösen die bestehende auf.

2. Unklare Anworten Trotz vieler Fragen und Erkundigungen kommen Sie zu keinem klaren Ergebnis: Um in dieser Situation einen Verdacht zu entscheiden, sollten Sie Fachleute ansprechen.

3. Kein Verdacht Sie finden nur minimale oder keine Verdachtsignale: Seien Sie fair und überwinden Sie das distanzierte Gefühl gegenüber der geprüften Person. Es wäre eine fatale Konsequenz, wenn Menschen wie Täter behandelt werden, nur weil sie 'überprüft' wurden!

Wie gehen Sie vor und wer hilft Ihnen?

Wenn offene Fragen bleiben: An wen können Sie sich wenden? Es gibt mittlerweile eine Vielzahl von Anti-Sekten-Beratern: am stärksten verbreitet und am meisten erfahren sind die kirchlichen Berater. Sollte Ihr Problem nicht ausreichend ernst genommen werden, versuchen Sie es in einer anderen Stadt - fragen Sie sich durch. Daneben gibt es staatliche Stellen. Nutzen Sie auch diese Möglichkeit. Fragen Sie evtl. auch private Vereine und Selbsthilfegruppen. Lesen Sie Informationen, die auf dem Buchmarkt erhältlich sind. Verbände, andere Firmen sowie Industrie- und Handelskammern können oft nützlich sein. Zumindest besteht die Chance, daß Sie auf jemanden stoßen, der jemanden kennt, der jemanden kennt.....Und wenn Sie jetzt feststellen, daß es sich wirklich um gefährliche Methoden handelt? Suchen Sie vorsichtig Verbündete im engsten Kreis. Entwickeln Sie eine Strategie!


Manchmal läßt sich ein internes Problem relativ einfach arbeitsrechtlich lösen: Nach der Gehirnwäsche in einem Psycho-Kult lassen sich Mitarbeiter oft auf Dinge ein, die außerhalb der Legalität liegen und z.B. den Betriebsfrieden stören. - Wichtig: Ihre Lösung muß sich einen Verstoß gegen geltendes Recht beziehen, also auf TATEN. Der ‘GLAUBE’ an einen nicht-verbotenen Psycho-Kult ist keine ausreichende Begründung, um eine Zusammenarbeit zu beenden.


Bei Externen ist eine Vertragslösung oft leichter und bedarf nur bei vorzeitiger Kündigung einer Begründung. Aber auch diese muß sich am falschen Handeln des Vertragspartner orientieren, und auf keinen Fall an seinem Glauben!


Freuen Sie sich, wenn Ihnen das Thema ‘Sekten und Psycho-Kulte’ bisher erspart blieb. Damit es so bleibt, ist es sinnvoll, das Thema im Betrieb vorbeugend anzugehen, z.B. durch Vorträge oder betriebsinterne Publikationen. Das ist ohne Konfliktstoff, so lange kein ‘Fall’ aufgetreten ist.


Literatur:

Angelika Christ & Steven Goldner:

"Scientology im Management“,

Econ-Verlag, Düsseldorf, 1996.




veröffentlicht in Trojaner, Februar 1997

1 World Institute of Scientology Enterprises

2 Eine kommentierte, ausführliche Checkliste erhalten Sie bei SINUS e.V., Saalgasse 15, 60311 Frankfurt