Steven Goldner gegen Scientology
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Frankenpost 97



Helfrecht sagt nein zu Macht und Zielen von Scientology



"Eben!" Manfred Helfrecht zeigt mir einen Artikel, den er schon in der Nummer 1/96 also zu Beginn des vorherigen Jahres, in der in seinem Unternehmen verlegten Zeitschrift Methodik über die Frage geschrieben hatte, ob das Helf-Recht-System sich auf eine weltanschauliche Position stütze. "Nein", antwortete er darauf. "Planen ist keine weltanschauliche oder religiöse Angelegenheit. Einen guten Bauplan kann ein Christ ebenso machen wie ein Jude, Moslem
oder Buddhist. Eine gute Finanzplanung ebenso."


"Kaufmännische Grundsätze dürfen aber nicht mit weltanschaulichen Denkweisen in Konflikt geraten."

Ein protestantischer Pfarrer, selbst in Führungs- und Management-Herausforderung, hat – nachdem er an HelfRecht-Planungstagen teilgenommen hatte – ihm, Helfrecht, gesagt: "Ihre Aussagen gleichen den christlichen Grundwerten, es bestehen keine Widersprüche." Er habe dem Pfarrer geantwortet: "Wenn Sie die UNO-Menschenrechte lesen oder auch das deutsche Grundgesetz, finden Sie allenthalben christliche Werte als wesentliche Grundlage. So ist es auch im HelfRecht-System."


Ich frage Helfrecht, "Scientology" im Hinterkopf, was er denn lehre.

"Etwas ganz Einfaches: Füge niemandem Schaden zu und biete mit jedem unternehmerischen Handeln deinem Partner Nutzen."

"Und wie grenzt HelfRecht sich noch ab?"

Auch 1996, in der Ausgabe III seiner Zeitschrift Methodik, habe er Angelika Christ und Steven Goldner in einem großen Artikel zu Wort kommen lassen, der die Überschrift trägt: "Scientology in der Wirtschaft: Wie Sie sich schützen können." Beide Autoren haben das Buch Scientology im Management geschrieben, das 1996 im Econ-Verlag, Düsseldorf, erschienen ist. "Beide sagen, nur die wenigsten Menschen können genau begründen, warum sie die Ziele von Scientology ablehnen."


"Warum?"

"Wir lehnen die Ziele von Scientology ab", zitiert Helfrecht die Verfasser des Buches und sagt, voll ihrer Meinung zu sein, "weil diese Ziele ausdrücklich eine Gesellschaft anstreben, in der lediglich 'ehrliche Wesen Rechte haben können'. Unsere Gesellschaft baut aber darauf, dass alle Menschen gleiche Rechte haben." Vom Scientology-Erfinder L. Ron Hubbard, fährt Helfrecht fort, stamme eine sogenannte Technologie zum Führen eines Unternehmens. "Diese setzt ein rigides und bürokratisches System in Gang, das die Wirksamkeit der Mitarbeiter drastisch senken könne. Denn in der Regel strebt ein Scientologe an, diese Führungstechnologie dort einzusetzen, wo er selbst arbeitet."



"Mit welchen Konsequenzen?"

"Als Gegenleistung für die Nutzung der Hubbard-Technologie", sagt Helfrecht – und weist wieder auf den ausführlichen Artikel in Methodik hin – "als Gegenleistung muss der Betrieb eine Lizenzabgabe bezahlen, die etwa zwischen sechs und 16 Prozent des Umsatzes liegt, eine Größenordnung an der ein Betrieb ausbluten kann."

Ob es noch mehr Nachteile für Firmen gebe, die sich Scientology unterwerfen?


"Ja", antwortet Helfrecht: "Überteuerte Beratungsleistungen; überteuerte und für die Mitarbeiter gefährliche Seminare und Bücher; ein autoritärer Führungsstil, der die Motivation und Leistung der Mitarbeiter mindert – verbunden mit dem Druck, sich einer Gehirnwäsche zu unterziehen. Auch das konnte man schon 1996 in der Helfrecht-Zeitschrift Methodik lesen."


"Haben Sie, Herr Helfrecht, sich schon schriftlich dazu geäußert, Ihren Kunden weder die Glaubensgemeinschaft des Herrn Hubbard noch 'Universelles Leben', empfohlen oder vermittelt zu haben? Gibt es ein Papier, dass Ihre Unternehmen nicht nach der Scientology-Methode arbeiten?"

"Es gibt dazu zwei schriftliche Erklärungen vom Juni und Juli 1996. Die wurden von mir, Manfred Helfrecht, und den Mitgliedern der Geschäftsleitungen unserer Firmengruppe an Eides Statt unterzeichnet, von: Gottfried Haberkron, Eckhard Seidel, Werner Bayer, Michael Jaenisch, Manfred Bayer, Klaus Zwingel und Peter Göbel, selbstständiger Vertriebsunternehmer bei Thermodach."


"Würden Sie, Herr Helfrecht, vor Gericht klagen, falls Sie einen klaren Beweis haben sollten, dass eine Person oder mehrere Personen Ihrem Unternehmen in dieser Sache schaden will oder schaden wollen?"

"Ich musste in meinem Leben, zum Glück, mich nur wenige Male juristisch wehren. Meine Antwort auf Ihre klare Frage: Ja, ich würde klagen."


Veröffentlicht von: Frankenpost am 12.11.1997