Steven Goldner gegen Scientology
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"Scientology im Management"

Neues Buch gibt Ratschläge für den Umgang mit der Sekte

FRANKFURT. Wie mächtig ist Scientology? Stimmt die These von der Unterwanderung der deutschen Industrie? Welche Möglichkeiten gibt es, Scientologen und scientologische Methoden zu erkennen und sein Unternehmen davor zu schützen? Antworten auf diese Fragen will ein Buch von Angelika Christ und Steven Goldner geben, das die Autoren gestern im Dominikanerkloster vorstellten: "Scientology im Management". "Scientology ist unternehmensschädlich", stellt Christ fest, daher sei es wichtig, aufzupassen und sich frühzeitig zu wehren. Andererseits herrsche gerade in der Wirtschaft mittlerweile ein gewisses Maß an Hysterie in Bezug auf Scientology, dem man konkrete Aufklärung entgegensetzen wolle. "Wir wollen den Blick für die Methoden der Sekte schärfen und die Mystik abbauen, die Scientology umgibt", sagte Christ.

Das Buch untersucht zunächst allgemein Formen der "Gehirnwäsche", die Scientology anwende. Dann werden die spezifischen Methoden des "Management by Hubbard", des Begründers von Scientology, dargestellt und die möglichen Folgen für ein Unternehmen analysiert. Das Kapitel "Hilfe – mein Chef ist Scientologe geworden" zeigt am Beispiel einer Firma, die ungenannt bleiben wollte, den konkreten Fall "scientologischer Durchdringung" und beschreibt, wie das Unternehmen damit fertig wurde.

"Unser Buch bietet bewusst keine sensationellen Enthüllungen und keine neuen Namen", erklärte Christ. Vielmehr habe man konkrete Erkennungshilfen geben wollen. Dazu diene auch ein Art Fragebogen, den die Autoren als eine Art Check-Liste für Zweifelsfälle entwickelt haben. Bei der Einstellung von neuen Mitarbeitern, externen Trainer oder Beratern und bei der Beauftragung von Headhuntern könne mit Hilfe dieser Fragen überprüft werden, ob ein Mitarbeiter eventuell etwas mit Scientology zu tun habe, erläuterte Steven Goldner . "Das sind Fragen, die jeder stellen kann, auch wenn er sich mit Sekten nicht auskennt", sagte er. Anhand des Fragebogens sollen auch unbegründete Verdächtigungen ausgeräumt werden können. Nach Einschätzung von Steven Goldner ist "der Höhepunkt von Scientology in Deutschland überschritten". Doch gebe es keinen Grund zur Entwarnung.


Veröffentlicht von: Frankfurter Allgemeine Zeitung am 28.11.1995