Steven Goldner gegen Scientology
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Lebensm. Zeitg. 96

"Gute Chancen für einen Konkurs"


Angelika Christ und Steven Goldner zu Scientology im Management


Den Scientologen auf der Spur: Angelika Christ, Diplom-Volkswirtin, Mitverfasserin der Scientology-Untersuchung des Instituts der Deutschen Wirtschaft, Vorsitzende von SINUS, dem Verein zur Information und Selbsthilfe gegen Sekten; Steven Goldner , Diplom-Psychologe, arbeitet als Unternehmensberater und ist spezialisiert auf die Analyse und Abwehr von Sekten in der Wirtschaft.


LZ: "Die Brandstifter tragen Nadelstreifen" – so lautet ein Ergebnis Ihrer Recherchen über die Aktivitäten der Scientology-Organisation in der Wirtschaft (1). Was ist so gefährlich an Scientology?

Angelika Christ: Wir kennen tragische Einzelschicksale, wo Menschen sich bis zu mehreren hunderttausend Mark verschuldet haben, um Kurse bei Scientology in Anspruch nehmen zu können. Dabei verstricken sie sich in ein System, in dem sie wenig langfristige Unterstützung finden. Für Unternehmen besteht die Gefahr, dass Scientologen versuchen, Schlüsselpositionen zu besetzen oder Entscheidungsträger für sich zu gewinnen. Wenn ein Unternehmen die Hubbard-Technologie konsequent anwendet, besteht das Risiko, innerhalb der ersten 18 Monate in Konkurs zu gehen oder zumindest finanziell schlecht dazustehen.


LZ: Welche Rolle spielt diese Organisation nach Ihrer Erfahrung tatsächlich in der Wirtschaft?

Dr. Steven Goldner : Verlässliche Zahlen darüber existieren nicht, aber allein die Anfragen aus der Wirtschaft und bekannt gewordene Fälle zwingen dazu, Scientology ernst zu nehmen. Viele Unternehmen haben Angst vor einer Unterwanderung, wollen aber möglichst nicht im Zusammenhang mit dem Namen dieser Organisation genannt werden.


LZ: Woran erkennt ein Personalchef oder Vorgesetzter, das er es mit einem Scientologen zu tun hat?

Christ: Wenn ein Bewerber oder ein Mitarbeiter davon spricht, man müsse Menschen "handhaben" oder der Planet sollte "clear" werden, nutzt er typische scientologische Vokabeln. Auf längere Sicht muss ein Unternehmen damit rechnen, dass ein überzeugter Scientologe an seinem Arbeitsplatz vielleicht ein einschlägiges Poster aufhängt, scientologische Literatur mitbringt oder ein glühender Verfechter von Statistiken wird und jeden Handgriff, jedes Telefonat in einer Strichliste einträgt.


LZ: Wie können sich Personalverantwortliche oder Weiterbildner davor schützen, unwissentlich Dienstleistungen von scientologischen Firmen in Anspruch zu nehmen?

Dr. Goldner : Wenn Sie zum Beispiel Seminaranbieter fragen, wie ihre Veranstaltungen ablaufen und welche Methoden sie einsetzen, erhalten Sie nach unserer Erfahrung von Scientologen nie eine konkrete Antwort. Das Verweigern von Antworten sollte schon ein ausreichender Verdachtspunkt sein um zu sagen: "Dann lassen wir lieber die Finger davon!"



LZ: Was raten Sie besorgten Personalchefs?

Dr. Goldner : Wir empfehlen die Aufnahme einer Klausel in Arbeitsverträge oder Verträge mit Beratungsfirmen, mit der sich der Unterzeichnende verpflichtet, weder die Technologien von L. Ron Hubbard einzusetzen noch Mitglied der International Association of Scientologists (IAS) zu sein. Dieses Verfahren praktizieren inzwischen zum Beispiel auch staatliche Stellen wie der Berliner Senat in der Zusammenarbeit mit externen Beratungsunternehmen. Wer die Scientology-Organisation mit vollem Herzen vertritt, dem ist es bisher offenbar unmöglich, zu unterschreiben, dass er sich davon distanziert. Uns liegt zumindest kein Fall vor, in dem jemand das unterschrieben und sich später als Scientologe entpuppt hat.


LZ: Wir bedanken uns für das Gespräch!


(1) Angelika Christ / Steven Goldner : Scientology im Management, ECON Verlag, 288 Seiten, ISBN 3-430-11829-8, DM 39,80



Veröffentlicht von: Lebensmittelzeitung, am 26.04.1996




Wie ein trojanisches Pferd

Scientology zielt mit Beratungsfirmen auf Machtpositionen in Unternehmen


Scientologen versuchen mehr und mehr auch in Unternehmen Fuß zu fassen. Nicht selten kommen sie wie der Wolf im Schafspelz als Personalberater oder –trainer daher und bieten unter dem Deckmantel der Beratung ihre totalitäre Weltansicht an.


"Sie war leistungsstark und besaß eine unglaubliche Ausstrahlung." Berichtet der Personalchef eines mittelständischen Unternehmens sichtlich bewegt, "es war dramatisch, diese Mitarbeiterin zu verlieren." Die Trennung wurde unausweichlich, nachdem sich die leitende Angestellte als überzeugte Anhängerin der Scientology-Sekte geoutet und am Arbeitsplatz für die Organisation geworben hatte. Ansonsten hätte das Unternehmen damit rechnen müssen, dass interne Informationen aus sensiblen Bereichen über die Sekte nach außen dringen oder, sollte die Berührung mit Scientology publik werden, Kundenbeziehungen Schaden nehmen.

Das Beispiel ist kein Einzelfall: "Wir erfuhren aus einer Niederlassung", berichtet der Personalentwickler eines großen Industriebetriebes, "dass Scientologen auf einem privaten Grillfest, zu dem Kollegen eingeladen hatten, Mitarbeiter unseres Unternehmens anwerben wollten." Beide Personalmanager wollen anonym bleiben und auf keinen Fall die Namen ihres Unternehmens im Zusammenhang mit der Sekte genannt wissen.

Scientology ist noch ein Tabu in der Welt der Wirtschaft, doch immer mehr Unternehmen reagieren hellhörig, wenn der Name dieser Organisation fällt. Annähernd 40 Prozent ihrer Beratungstätigkeit widmen die vier hauptamtlichen Mitglieder der "Arbeitsgruppe Scientology" der Hamburger Innenbehörde Anfragen aus Unternehmen, berichtet Ursula Caberta, Leiterin der Arbeitsgruppe und Scientology-Beauftragte des Hamburger Senats. Die meisten Anrufer hätten "Berührungspunkte", sagt Caberta, was nicht heißen müsse, "dass schon irgend etwas passiert" sei. In Hamburg sorgten Scientologen in den letzten Jahren durch ihr aggressives Vorgehen auf dem Umwandlungsmarkt von Miet- in Wohneigentum für negative Schlagzeilen. "Man kauft sanierungsbedürftige Häuser auf, zum möglichst günstigen Preis, saniert die aber nicht, sondern versucht sie möglichst schnell wieder zu verkaufen", erklärt Caberta diese Strategie der Geldbeschaffung.


Auf der Suche nach Multiplikatoren

Doch damit ist nur ein Aspekt der scientologischen Aktivitäten in der Wirtschaft benannt, ein anderer lautet Einflussnahme und Mitgliederwerbung. Als begehrte Branchen gelten die Softwareindustrie, der Weiterbildungsbereich und Personalberatungsfirmen, registrieren Angelika Christ und Dr. Steven Goldner , die das Treiben der Scientologen in der Wirtschaft unter die Lupe nahmen (siehe Interview). Scientologisch geführte Personalberatungs- oder Weiterbildungsfirmen, die sich nicht sofort als solche zu erkennen geben, funktionieren wie Trojanische Pferde: über den Verkauf von Beratungsleistung. In Seminaren oder Persönlichkeitstest suchen sie Kontakt zu potentiellen Kunden und neuen Gefolgsleuten. Neben wenigen namentlich bekannten Firmen agieren etliche Tarnfirmen auf dem Markt, die häufig den Namen wechseln. Unwissentlich sollen in der Vergangenheit Unternehmen wie Ford, Motorola, Volkswagen oder Shell Kurse von scientologisch orientierten Weiterbildungsfirmen bezogen haben. Das zumindest berichtet Professor Hans-Gerd Jaschke, Politikwissenschaftler an der Verwaltungsfachhochschule Berlin, in einem Gutachten für das nordrhein-westfälische Innenministerium.

Versuche der Einflussnahme in der Wirtschaft gehören bei der Organisation, die sich "Church" nennt, von Kritikern jedoch nicht als Kirche sondern als profitorientierter Konzern angesehen wird, zum Programm. Ihr geistiger Vater und Gründer L. Ron Hubbard strickte eine konfuse Psychotechnik (die sogenannte "Dianetik" als "Leitfaden für den Menschlichen Verstand"), die getreue Anhänger über mehrere Befreiungsstufen angeblich zu "Clears", das heißt dem "optimalen Menschen" aufsteigen lässt. Mit diesem Begriff werden Menschen belegt, die von allen Psychosen, Neurosen, Zwängen oder psychosomatischen Leiden "völlig frei" sind. Daneben forderte der ehemalige Science-Fiction-Autor Hubbard seine Anhänger unverhohlen zum Abkassieren auf: "Mach Geld – mach mehr Geld – sorge dafür, dass andere Geld machen!" Das Handeln von Scientology entspreche "dem eines Unternehmens mit Gewinnerzielungsabsichten", urteilen Christ und Goldner in ihrem Buch "Scientology im Management". Ein Schlüsselbegriff scientologischen Denkens lautet "Ethik", ein Begriff, den die Organisation allerdings völlig anders versteht als gemeinhin üblich. Der Zweck von Ethik sei, "Gegenabsichten aus der Umwelt zu entfernen", lautet eine Hubbard-Parole, was darauf hinausläuft: ethisch ist, was der Organisation nutzt. Kritiker gelten nach der Hubbard-Terminologie als "unterdrückerische" oder "antisoziale" Personen, mit denen es keine sachlichen Auseinandersetzung gibt. Die Einteilung der Welt in "gut" und "böse" leiste der eigenen Überhöhung Vorschub und, so der Politikwissenschaftler Jaschke, schüre Abneigung und Abwehr gegen alles Außenstehende.


Das Seelenheil hat einen hohen Preis

Wer einmal in die Fänge der Organisation geraten ist und mit Kursen zur Persönlichkeitsentwicklung oder Beratungsgesprächen (dem sogenannten "Auditing") sein Seelenheil finden will, kann in eine Spirale der Abhängigkeit mit letztlich hoher finanzieller Verschuldung geraten. Inzwischen sind Fälle bekannt, in denen sich Kursteilnehmer bis über beide Ohren verschuldeten und über 100.000 Mark aufwendeten. Wo Scientology Einfluss auf Unternehmen gewinnt, drohen überproportional hohe Ausgabe für Schulungen oder Bücher, die das übliche Bildungsbudget überschreiten. Unternehmen, die der scientologischen Wirtschaftsorganisation WISE (World Institute of Scientology Enterprises) angehören, müssen nach Einschätzungen von Goldner und Christ zwischen 5 und 18 Prozent ihres Umsatzes – nicht etwa ihres Gewinnes – als Lizenzgebühr an Scientology abführen. Bei Geschäftsführern und Managern aus der Wirtschaft, die sich auf einer Veranstaltung der Akademie der Bayrischen Wirtschaft im Kloster Seeon über die Praktiken von Scientology in der Wirtschaft informieren wollten, lösten diese Zahlen ungläubiges Kopfschütteln aus. Was für viele unvorstellbar klingt, ist aber auch eine Erklärung dafür, dass viele scientologisch beeinflusste Unternehmen innerhalb kurzer Zeit in existenzielle Schwierigkeiten geraten. Für ihre Zahlungen an WISE erhalten die Unternehmen, so Goldner und Christ, als Gegenleistung eine "teils banale, unnütze und teilweise schädliche Hubbard-Technologie", deren Kern beide letztlich in einer Verabsolutierung statistischer Verfahren sehen. Mit den Instrumenten Persönlichkeitstest, Leitfäden für Gespräche und Seminare transportiert und verkauft Scientology seine totalitäre Weltsicht.

Was die straff organisierte Sekte gerade für Unternehmen so gefährlich macht, ist nicht allein der ungebremste Drang zum Abkassieren, sondern ein erklärter Wille zur Macht. Überzeugte Scientologen wollen nicht nur den Einzelnen "clear" haben, sonder folgen dem Wahlspruch "Clear Planet". Das heiße im Klartext nur, die Menschen seien gut, die Scientology folgten, während Kritiker als Außenseiter und Gegner ("antisoziale Persönlichkeiten") abqualifiziert werden, übersetzt der Politikwissenschaftler Jaschke die Terminologie. Das widerspreche "fundamentalen demokratischen Prinzipien", die auch in der Wirtschaft berücksichtigt werden müssten, sagte Jaschke.

Das Vorgehen in der Wirtschaft sei ein fester Bestandteil dieses obersten Zieles der Scientologisierung der Gesellschaft, warnt auch Ursula Caberta. Obwohl sich Scientology als "Church" – als Kirche – bezeichne, habe sie "nichts mit Religion zu tun", urteilt Caberta. Sie sieht darin eine "politisch extremistische Organisation", die letztlich unsere Gesellschaft zugunsten einer scientologischen Welt verändern wolle.


Psychoterror unter dem Deckmantel der Religion

Schon 1994 kam die Innenministerkonferenz zu dem Schluss, dass sich "unter dem Deckmantel einer Religionsgemeinschaft Elemente der Wirtschaftskriminalität und des Psychoterrors gegenüber ihren Mitgliedern" finden. Das Bundesarbeitsgericht entschied im letzten Jahr, dass das Auftreten der Organisation als "Kirche" lediglich als Vorwand zur Verfolgung wirtschaftlicher Interessen diene. Deshalb könne sich die Organisation auch nicht auf die in Artikel 4 des Grundgesetzes verbriefte Religionsfreiheit berufen, argumentiert Familienministerin Claudia Nolte, weil ihre Ziele "eindeutig auf wirtschaftliche Ziele ausgerichtet" seien.

Nach eigenen Angaben zählt Scientology allein in Deutschland über 30.000 Mitglieder, unabhängige Schätzungen sprechen von 10.000 bis 30.000 Mitgliedern. Der Einfluss auf die Wirtschaft beschränke sich auf 50 bis 150 Unternehmen, berichtet Hans-Gerd-Jaschke. Unklar sei allerdings, wie stark dieser Einfluss tatsächlich sei, gibt Jaschke zu bedenken: "Handelt es sich um einmalige Kurse? Oder handelt es sich um die Übernahme von ganzen Abteilungen oder Segmenten von Firmen?“ Weil verlässliche Angaben fehlten, lasse sich der Einfluss der Wirtschaft mit Zahlen nur schwer erfassen.


Rätselhaft erscheint es Außenstehenden, wie es der Gruppierung mit dem esoterischen Weltbild aus Science Fiction und Psycho-Jargan gelingt, immer wieder Menschen in ihren Bann zu ziehen. Besonders gefährdet für Anwerbungsversuche seien Menschen, urteilen Angelika Christ und Steven Goldner, die sich in einer labilen psychischen Situation befinden. Das könne eine tiefgreifende Sinn- oder Lebenskrise sein, oder eine problematische berufliche Situation. Anwerbungsversuche in der Wirtschaft deuteten darauf hin, dass Scientologen nach der Formel "Umgarnen am Ruinpunkt" handelten, wobei die Rede vom "Ruinpunkt", das betonen Christ und Goldner, ein scientologischer Terminus sei. Mit Gesprächs- und Psychotechniken finden Scientologen kleine Schwächen, Ticks oder Defizite im Selbstwertgefühl gezielt heraus und versprechen Hilfe. Als Anknüpfungspunkt dienen häufig Persönlichkeitstests und, wenn die Rechnung aufgeht, daran anschließende Seminarbesuche. Massive Sympathiebeweise gegenüber den Novizen (von Aussteigern als "Love-Bombing" bezeichnet) vernebeln die schrittweise Verstrickung in das scientologische Weltbild.


Zielgruppe sind nicht nur labile Menschen


Personalchefs und Vorgesetzte reagieren immer wieder überrascht, dass sogar leistungsstarke und qualifizierte Mitarbeiter diesen Strategien zum Opfer fallen. Dass nicht nur Aussteiger oder psychisch labile Menschen sich in das Netz der Organisation verstricken, passt exakt zu einer verbreiteten Vorstellung von "Sekten". "Ich würde die Organisation nicht als Sekte bezeichnen," erklärt hierzu der Politikwissenschaftler Jaschek. Während Sekten eher abgeschottet in einer feindlichen Umwelt eine eigene Existenz aufzubauen versuchen, handele es sich bei Scientology um eine Organisation mit eminent politischen Ansprüchen.

Für Entscheidungsträger, insbesondere Personalchefs und Weiterbildner sollten die vorliegenden Erfahrungen Grund genug sein, das Phänomen Scientology ernst zu nehmen. Eine Checkliste der Sinus Sekten-Information und Selbsthilfe Hessen-Thüringen e.V. nennt rund zwei Dutzend kommentierte Fragen, mit deren Hilfe Personal- und Bildungsverantwortliche den Seminar- und Beratungsanbietern auf den Zahn fühlen können. Wo eine Organisation wie Scientology sich ungehindert ausbreitet, droht nach den vorliegenden Erfahrungen, so formulierte es ein Aussteiger, "eine Politik der verbrannten Erde".

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Naive Heilversprechen

Scientologen wollen die Überlebensfähigkeit der Menschheit steigern

Wer die Prozedur der "Dianetik" befolgt, dem verspricht der Scientology-Begründer Ron L. Hubbard Heilung von allen Neurosen und einen Geisteszustand mit nahezu übersinnlichen Kräften. Die folgenden Auszüge stammen aus seinem "Dianetik“-Buch", das Anfang der 50er Jahre den Grundstein für die Scientology-Organisation legte und noch heute als Standardwerk gilt.


"Die Dianetik verleiht vollständige Einsicht in alle Möglichkeiten des menschlichen Geistes und erweist, dass diese wesentlich umfangreicher sind als früher angenommen." "Sie umfasst eine therapeutische Technik, mit der alle nichtorganischen Geistesstörungen und alle organischen psychosomatischen Leiden mit der Gewissheit völliger Heilung behandelt werden können." "Die Dianetik hat Umfang, Speicherkapazität und Erinnerungsfähigkeit des menschlichen Gedächtnisses endgültig bestimmt."

"In der Dianetik wird der optimale Mensch ein Clear genannt." "Man kann einen Clear auf alle Psychosen, Neurosen, Zwänge und Verdrängungen (alles Aberrationen) testen und ihn auf alle selbsterzeugten Krankheiten, die man psychosomatische Leiden nennt, prüfen. Das Ergebnis wird immer sein, dass der Clear von solchen Störungen oder Aberrationen völlig frei ist." "Er bewegt sich auf einer Ebene der Beharrlichkeit, Kraft und Zähigkeit, der Vernunft und des Glücklichseins."

"Engramme sind vollständig, bis ins kleinste Detail gehende Aufzeichnungen von allen Wahrnehmungen, die während der Zeit einer teilweisen oder vollständigen 'Bewusstlosigkeit' vorhanden waren... Wenn die Engramme aus der reaktiven Bank des Minds getilgt werden, steigern sich Vernunft und

Leistungsfähigkeit in sehr starkem Maße, die Gesundheit verbessert sich bedeutend und der Mensch denkt vernünftig gemäß dem Verhaltensmuster des Überlebens."

"Der Patient kann seine eigenen Aberrationen nicht sehen. Das ist einer der Gründe für die Existenz des Auditors... Der Patient würde es nicht wagen, an die Welt, die in ihn hineingeraten ist, heranzugehen und der Welt draußen den Rücken zuzukehren, wenn er keinen 'Wachposten' hätte...Es ist die Pflicht des Auditors, dafür zu sorgen, dass der Preclear ständig seine Engramme angreift und nicht den Auditor oder die äußere Welt."

"Es ist erfreulich, einen Preclear zu sehen, der von einem mit viel emotioneller Ladung angefüllten Engramm verfolgt wurde und plötzlich davon befreit wird: denn gleichgültig, wie grausam die Situation früher auch gewesen sein mag, im Augenblick der Befreiung wird sie ich all ihren Aspekten zu einer Quelle großer Heiterkeit."

"Vielleicht werden in ferner Zukunft nur dem Nichtaberrierten die Bürgerrechte verliehen. Vielleicht ist das Ziel irgendwann in der Zukunft erreicht, wenn nur der Nichtaberrierte die Staatsbürgerschaft erlangen und davon profitieren kann. Dies sind erstrebenswerte Ziele, deren Erreichung die Überlebensfähigkeit und das Glück der Menschheit erheblich zu steigern vermöchten.... Der Mensch hat in seinem verwirrten Zustand seine Feinde nicht erkannt. Jetzt sind sie greifbar; greifen Sie an!"


Bericht über Ron L. Hubbards Buch






Steven Goldner & Angelika Christ Drill und Strenge statt Entwicklung

Sekten-Checkliste für Geschäftsführer und Personalleiter


Sekten (oder auch Cults) gehen immer öfter Unternehmen an. Für die Ansprechpartner(innen) – Geschäftsführung/Personalleitung – stellt sich die Frage: Wie erkenne ich den Versuch einer Sekte, unerkannt in meinem Unternehmen Fuß zu fassen?


Das Erkennen wird erschwert, weil

  1. öffentlich bekannte Sektennamen (z.B. Scientology) vermieden werden,

  2. Tarnnamen von Organisationen wie Trainingsinstitute, Verlage oder Management Consultants häufig und schnell wechseln, und

  3. solche Organisationen sich auf den ersten Blick nicht von seriösen Anbietern unterscheiden.


Im folgenden finden Sie eine Reihe von Fragen für den Erstkontakt, der telefonisch oder schriftlich an Sie gerichtet wird – ergänzt um einen Kommentar (=K).

  1. Hörten Sie erstmals oder euphorisch aus Ihrem Bekannten- oder Freundeskreis von diesen Seminaren/Beratungen/Firmen?

K: Werbung über den Freundes- und Bekanntenkreis ist eine häufige Strategie von Sekten und ihren Firmen – klassische Werbemaßnahmen sind selten. Zwar ist damit die potentielle Zielgruppe erheblich kleiner, aber die Personen, die "anbeißen", tun dies auf der Basis eines hohen Vertrauensvorschusses – schließlich war es ja ein Freund oder ein Kollege, der empfohlen hat.

  1. Stellt sich der Anbieter als erfolgreich und renommiert dar, obwohl sie vorher noch nie von ihm gehört haben? Operiert er mit sehr hohen Erfolgsquoten? Hat er "den Stein der Weisen" gefunden? Ist die Verkaufssprache eher schwülstig übertrieben?

  2. Enthält die Ankündigung/Werbung Begriffe, die Ihnen überzogen, irrational oder mystisch vorkommen (Beispiele: Sonnenschein, Glück, unauslöschliches Licht)?

  3. Wird – offen oder verdeckt – ein höherer ethischer Sinn angesprochen? Werden Werte oder Wertesysteme angesprochen mit dem Ziel der Veränderung?

K: Die Veränderung der Werte zugunsten der Werte der Sekte gehört ebenfalls zum "Handwerkszeug". Speziell bei der Scientology spielt der Begriff „Ethik“ eine große Rolle. Ethik ist in diesem Zusammenhang "alles, was für Scientology gut ist".

  1. Finden Sie auffällige Aussagen, die wenig differenzieren, sondern:
    - Gegensätze hervorheben und in Richtung Schwarz-Weiß-Malerei
    gehen, wie z.B. gut-böse, richtig-falsch, Freund-Feind,
    - mystisch-irreale Wertvorstellungen hervorheben, wie z.B.
    "fundamentale Grundsätze des Lebens",
    "höchste Motivationsstufe",
    "Ethik-Technologie, Ethik-Werkzeug"?

  2. Wird dem Einzelnen nahe gelegt, viel mehr Verantwortung zu übernehmen, sich aufzuopfern, sich konsequent dem (abstrakten) Ziel zu unterwerfen?

  3. Wird die eigene Wissenschaftlichkeit mit imposanten, aber extrem unwahrscheinlichen Zahlen behauptet und gleichzeitig jede andere Wissenschaft, insbesondere die Psychologie, abgewertet oder lächerlich gemacht?

K: Sekten fürchten kaum etwas mehr als die wissenschaftliche Untersuchung ihrer Methoden, da diese entlarvend wirken würde. Insbesondere gilt dies für die Psychologie, da die Wirkungsweise der Sekte auf der oft unlauteren Anwendung der modernen Psychologie beruht.

  1. Wird der Blick mehr auf Angst, eigene Misserfolge und Schwächen gelenkt, als die vorhandenen Stärken und Potentiale?

  2. Wird die Vergangenheit indirekt abgewertet, z.B. "ab heute werden Sie erfolgreich sein"?

  3. Werden andere Anbieter abfällig kommentiert?

  4. Gibt es Publikationen und Berichte in bekannten Medien, wie z.B. Fachzeitschriften oder sonstige Print-Medien, über den Anbieter? Kennen Sie den Verlag aus anderen Zusammenhängen?

K: Es lohnt sich, Veröffentlichungen zu prüfen; es gibt mittlerweile Verlage, die führenden Scientologen gehören und natürlich gerne zitiert werden.

  1. Gibt es eine starke Persönlichkeit, z.B. den Firmeninhaber, einen Trainer, Gründer etc., der häufig zitiert wird?

K: Totalitäre Systeme haben häufig eine Führerkultur, die sich durch alle Stufen zieht. Inzwischen gibt es aber auch Organisationen ohne "Gurus".

  1. Falls Sie mündlich oder schriftlich kontaktiert werden: Gibt es überprüfbare Referenzen?

  2. Richtet sich das Programm oder Teile davon auf das Verändern der ganzen Persönlichkeit? (Normalerweise bezieht sich ein Seminar auf das konkrete Verhalten zu einem eingegrenzten Thema.)

K: Ziel der Sekten ist die Veränderung der Persönlichkeit zugunsten der eigenen Organisation (indem Geld oder kostenlose/unterbezahlte Mitarbeit – oder beides – der Organisation zugute kommen).

  1. Wird davon berichtet, dass frühere Teilnehmer schnellen und großen Erfolg durch die Seminare hatten? Beispiel: Berufswechsel, Reichtum usw.

  2. Werden Teilnehmer eher passiv beschrieben, z.B. "sie werden trainiert"?

K: Konstruktive Seminare sehen Teilnehmer aktiv: "sie lernen".

  1. Bemerken Sie Hinweise auf Methoden wie Drill und Strenge?

K: Drill und Strenge gehören zum totalitären System – und werden auch angewandt, inklusive Strafen.

  1. Finden Sie Andeutungen davon, dass Teilnehmer auch seelische Strapazen verkraften müssen? Gibt es Hinweise auf spezielles Essen, Vitamineinnahmen, Saunagänge (über das übliche Angebot hinaus)?



K: Dahinter steht das systematische "Auspowern" von Teilnehmern – die bewusste Beeinflussung des Körpers, um die Kritikschwelle zu senken und den Menschen willfährig zu machen. Dies geschieht über die rein zeitliche Belastung (acht bis zwölf Stunden Training, exzessive Hausaufgaben), durch Essensentzug oder einseitige Ernährung, durch Vitaminbeeinflussung oder auch durch stundenlange Saunagänge, wie bei der Scientology.

  1. Fehlt bei Seminaren über Zeitmanagement und Führung das Thema: "Selbst Prioritäten setzen"?

K: Selbst etwas zu entscheiden, ist gegen das abhängigmachende Prinzip der Sekten. Daher gehört das eigene Setzen von Prioritäten nicht zum Repertoire einer Sekte.

  1. Werden den Teilnehmern Ziele vorgegeben – ohne Bezug auf die Ziele ihres Unternehmens?

  2. Gibt es Folgeseminare mit erreichbaren Stufen/Abschlüssen, wie z.B. "Meister/Master", "Führer/Leader" oder ähnliches?

K: Zum totalitären System gehört eine strenge Hierarchie., Die Menschen sollen ja motiviert werden, für die Sekte Zeit und Geld zu opfern. Hierarchische Stufen bieten hier einen Anreiz. Sie stehen im deutlichen Widerspruch zum Dialog- und Teamgedanken.

  1. Werden Ihnen Hinweise und Beispiele zum methodischen Vorgehen auch nach mehrfacher Nachfrage mit ausweichenden Worten verweigert?

K: Die Beantwortung dieser Frage würde entlarvend wirken und deutlich machen, welche menschenverachtenden Methoden in den Seminaren angewandt werden. Außerdem wird um die "Methodik" eine Geheimniskrämerei veranstaltet – vielleicht um die Neugier zu verstärken.

  1. Ist der Trainer bereit, Sie als Beobachter zu einem Seminartag einzuladen?

K: Fehlende Bereitschaft verstärkt den Verdacht, dass es etwas zu verbergen gibt.


Quelle: SINUS, Sekten-Information und Selbsthilfe Hessen-Thüringen e.V., c/o EAW, Saalgasse 15, 60311 Frankfurt