Steven Goldner gegen Scientology
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SINUS Text 96

        


Angelika Christ & Steven Goldner


Checkliste zum Schutz gegen die giftige

Medizin mit dem Namen ‘Scientology’


Nahezu alle Erwachsenen in Deutschland sind gegen Scientology. Diese Situation gefällt uns, denn Scientology bzw. die sogenannte ‘Technologie’ des Scientology-Erfinders L.Ron Hubbard halten wir für extrem schädlich. Daß die Öffentlichkeit und weite Teile der Bevölkerung heute so denken, geht zweifellos auf das Konto der Scientology-Kritiker. Öffentliche Aufklärungsarbeit hat viel bewirkt.



Worin besteht die Gefahr durch Scientology und deren Wirtschaftsorganisation ‘W.I.S.E.’?

Allerdings: Wenn Sie Otto Normalbürger fragen, aus welchen Gründen er Scientology ablehnt, kommt eher eine unklare Antwort, als eine Reihe von konkreten Argumenten. Hier sind einige Gründe aus unserer Sicht:


  1. Das Ziel ist eine Gesellschaft, in der die Menschen nicht mehr gleiche Rechte haben.

  2. Die "Religion“ wird als Deckmantel benutzt, um das Interesse an Macht und Geld zu verschleiern.

  3. Der "Test“ vermittelt den unzutreffenden Eindruck, daß jeder schwere Defizite hat.

  4. Das "Auditing“ ist gefährlich, weil Laien mit psychotherapeutischen Methoden hantieren.

  5. Die Gehirnwäsche erzeugt ein Schwarz-Weiß-Bild von der Welt und verändert das Denken und Sprechen negativ.

  6. Das System macht unrealistische Versprechungen und schürt unrealistische Hoffnungen.

  7. Die Mitarbeit führt häufig zu seelischer Abhängigkeit, Zerstörung privater Beziehungen und langfristiger Verschuldung.

  8. Die "Hubbard-Technologien“ senken meistens die Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter, erschöpfen sie oft bis zum Erkranken und führen vielfach Betriebe in den Ruin.

  9. Das interne Gerichtswesen baut systematisch Angst und Demütigungen auf.

  10. Die Kritiker werden als "Feinde“ eingestuft und mit verabscheuungswürdigen Methoden bekämpft.


Daß Otto Normalbürger allenfalls einen oder zwei dieser Punkte aufzählen kann, halten wir für unproblematisch. Man braucht ja auch kein Arzt zu sein, um AIDS für gefährlich zu halten. Und man braucht kein Techniker zu sein, der das Innenleben von Autos kennt, um sich den Gefahren zu stellen, die einem Fußgänger beim Überqueren der Straße drohen.


Wir arbeiten primär im Bereich der Wirtschaft. Hier geht es am häufigsten um die Frage, ob ein externer Trainer oder Berater zur Firmenkultur und ihren Qualitätsansprüchen paßt.


Selbsthilfe beim vorbeugenden Schutz

Die Lösung kann im Bereich der Wirtschaft nur gelingen, wenn es eine Analogie gibt, wie wir sie eingangs bei den Themen AIDS und Fußgängern angedeutet haben: Welche Schutzmöglichkeiten haben Laien angesichts der drohenden Gefahren von ‘Sekten’ und Psychokulten? Welches einfache, d.h. für den Laien unmittelbar verständliche und anwendbare Schutzverhalten gibt es?



Vertraglicher Schutz: Distanzierung zu Scientology

Zunächst gibt es eine simple Erklärung mit sehr gezielten Punkten, die von Ursula Caberta entwickelt wurde und extrem trennscharf Scientologen von Nicht-Scientologen unterscheidet: Scientologen verweigern dem folgenden Text die Unterschrift:


"Ich erkläre hiermit,

  1. daß ich bzw. meine Firma nicht nach der Technologie von L. Ron Hubbard arbeiten,

  2. daß weder ich noch meine Mitarbeiter nach der Technologie von L. Ron Hubbard geschult werden bzw. keine Kurse und/oder Seminare nach der Technologie von L. Ron Hubbard besuchen,

  3. daß ich die Technologie von L. Ron Hubbard zur Führung eines Unternehmens ablehne und,

  4. daß ich nicht Mitglied der IAS (= International Association of Scientologists) bin.

Alle Aussagen gelten auch für die Vergangenheit. Sollte sich eine Aussage als unwahr herausstellen oder in Zukunft verletzt werden, stellt dies einen wichtigen Grund zur Kündigung dieses Vertrages dar."


In unserem Buch "Scientology im Management" haben wir eine Checkliste entwickelt, mit der sich die Wirtschaft vor schädlichen und deshalb unerwünschten Einflüssen schützen kann. Inzwischen gibt es viele Unternehmen, die diesen Weg nicht nur für sinnvoll halten, sondern auch selbständig und erfolgreich beschreiten.


In der Zusammenarbeit mit vielen Firmen haben wir festgestellt, daß die im Buch enthaltene Liste noch weiter vereinfacht werden kann. Auf einzelne Punkte können wir inzwischen verzichten, andere lassen sich zusammenfassen.


Die folgenden Fragen können Sie in verschiedenen Situationen Ihres betrieblichen Alltags verwenden; besonders wenn es um Externe Trainer und Berater geht. Je nach Situation können Sie so viele Fragen auswählen, wie es Ihnen sinnvoll erscheint, um die Entscheidung mit Sicherheit zu treffen.


Prüfpunkte für TRAINER & BERATER


01 Werdegang

Verfügt die Person über einen angemessenen Werdegang? Bringt sie eine mindestens dreijährige Erfahrung für diese Aufgabe mit?


02 Referenzen

Verfügt die Person über nachprüfbare und seriöse Referenzen?


03 Scientology-Begriffe

Benutzt oder kennt die Person folgende Begriffe: Dianetics, Hubbard-Technologie, L. Ron Hubbard? Werden diese Namen und Verfahren eindeutig abgelehnt?


04 Distanzierung

Reagiert die Person positiv und unterschriftsbereit auf den Text, der ein Benutzen scientologischer Methoden ausschließt?


05 Erfolgsmessung

Auf welche Art stellt die Person Erfolge fest? Werden Statistiken exzessiv und für belanglose Dinge eingesetzt?


06 Aufdringlichkeit

Erfolgt die Akquisition mit häufigen Kontakten und aufdringlich? Klingt die Ansprache anmaßend oder vorwurfsvoll bei Skepsis?


07 Persönlichkeitstest

Verwendet oder empfiehlt er einen Persönlichkeitstest? Mit unzulässigen Fragen? Mit 200 Fragen? Von der Firma U-Man?


08 Weiterbildung

Welche außerfachlichen Seminare und Kurse absolvierte die Person? Was können Sie erfahren über Themen, Veranstalter, Dauer, Häufigkeit, Kosten, Lernergebnisse?


09 Konfliktlösungen

Schildern Sie zwei oder drei firmenspezifische Konfliktsituationen aus dem Themenbereich, um die es geht! Es ist nahezu unmöglich, sich auf diese Frage vorzubereiten. Paßt die Antwort zu Ihren Vorstellungen und zur Kultur Ihrer Firma? Oder enthalten die Antworten eine kurzfrisitige Sichtweise, Rücksichtslosigkeit

und dramatische Konsequenzen?


10 Vorbilder

Welche Personen, Theorien und Konzepte geben der Person in besonderem Maße Orientierung für ihre berufliche Tätigkeit? Achten Sie besonders auf Antworten mit unbekannten Begriffen und Namen oder

solche, die Sie ablehnen!


11 Euphorische Empfehlung

Erhielten Sie von einer vertrauenswürdigen Person eine euphorische Empfhelung?

War der Name Ihnen vorher unbekannt?


12 Versprechungen

Geht es beim Angebot um grund-legende Veränderungen? Soll bei Mitarbeitern die Persönlichkeit anders werden? Wird versprochen: Karriere, Reichtum, schneller und massiver Erfolg?


13 Qualitätsnachweis

Wird eine wissenschaftliche Absicherung behauptet, ohne Beweise vorzulegen? Erhalten Sie Erfolgsquoten von über 95%? Werden andere Beratungs- und Trainingsansätze lächerlich gemacht?


14 Menschenbild

Werden Ihre Mitarbeiter in ein schlechtes Bild gestellt? Werden Ihnen eine 'härtere Gangart', 'Drill' und eine 'strenge Hand' angeraten? Klingt das Menschenbild nach 'gut' und 'böse'?


15 Verweigerter Einblick

Wird Ihnen die Frage nach den Methoden und Abläufen ausweichend beantwortet? Wird Ihnen verweigert, einen Seminartag zu beobachten? Haben Sie Anzeichen dafür, daß es entwürdigende Regeln im Seminar gibt?



Welchen Nutzen und welche Grenzen hat so eine Checkliste für Sie?

Einfache Schutzmaßnahmen zum Erkennen und Abwehren von schädlichen Methoden können Sie also innerbetrieblich und ohne Experten angehen. Konkret bedeutet das für Sie:

  • Bei einfachen Fragen („Passen diese Seminare in unser Konzept der Personalentwicklung?“), die bereits anhand äußerlicher Erkennungsmerkmale beantwortbar sind, helfen Sie sich selbst.

  • Wenn es um schwierige Dinge geht („Eine Führungskraft drängt immer mehr Leute in obskure Seminare. Was können wir dagegen tun?“), benötigt Ihre Firma einen externen Experten, der die ‘Programmierung’ vom Psychokult kennt, weil er über Wissen und Erfahrung verfügt, sowie aktualisierte Informationen über ein Experten-Netzwerk gezielt abrufen kann.


Wenn Sie auf die richtigen Signale achten:

Was soll Ihnen dann noch passieren?


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veröffentlicht in: Sinus, Forum, Spezial 10

auch veröffentlicht bei Machwürth Perspektiven Oktober 1996


Angelika Christ & Steven Goldner (Hrsg.)

Sekten in der Wirtschaft

Wie man sich vor Scientology schützen kann

Mit Beiträgen von: Ursula Caberta, Kurt-Helmuth Eimuth,

Rainer Fromm, Klaus Kühlewind