Steven Goldner gegen Scientology
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Man. Seminare 97


Ausschluss von Sektentätigkeit


Immer mehr Unternehmen möchten sich im Vorfeld einer Schulung absichern, dass der Trainer keiner Sekte wie beispielsweise Scientology angehört. Denn manch ein Seminarteilnehmer wurde sich erst im Nachhinein bewusst, wer das Seminar leitete, als er sich über die merkwürdigen Methoden und Manipulationsversuche wunderte. Doch mit dem Satz "Der Trainer bestätigt, dass er weder aktives noch förderndes Mitglied von Scientology oder einer anderen Sekte ist" ist es nicht getan. "Das unterschreiben Scientology-Mitglieder sofort," erklärt Dr. Steven Goldner , Diplom-Psychologe, Trainer und Berater sowie Geschäftsführer der asq Unternehmensberatung in Mühlheim am Main. Dr. Goldner ist Autor des Buches "Scientology im Management" (Econ-Verlag, Düsseldorf 1996) und Fachmann in Fragen rund um die ominöse Sekte. Er empfiehlt, folgenden Passus in den Vertrag aufzunehmen, den Ursula Caberta, Leiterin der Arbeitsgruppe Scientology beim Senat der Stadt Hamburg, entwickelt hat:


"Anlage zum Vertrag über (Dienstleistung) zwischen (Auftraggeber) und (Auftragnehmer) vom (Vertragsdatum). Ich erkläre hiermit für mich bzw. die Mitarbeiter der Firma: 1. nicht nach der Technologie von L. Ron Hubbard (z.B. der Technologie zur Führung eines Unternehmens) und/oder sonst einer mit Scientology zusammenhängenden Technologie zu arbeiten, sondern sie vollständig abzulehnen, 2. keine Schulungen, Kurse oder Seminare nach den genannten Technologien selbst zu besuchen oder bei anderen zu veranlassen bzw. dafür zu werben und 3. nicht Mitglied der IAS (International Association of Scientologists) zu sein. 4. Sollte sich eine Aussage als unwahr herausstellen oder in Zukunft verletzt werden, stellt dies einen wichtigen Grund zur fristlosen Kündigung dieses Vertrages dar. Außerdem verpflichte ich mich für diesen Fall zur Zahlung einer Vertragsstrafe in Höhe von XY DM. Unterschrift des Trainers/Beraters und Datum."


Vorsicht Sekten

Wie kann sich aber ein Unternehmen außer durch die vertragliche Absicherung davon überzeugen, dass der Trainer keiner Sekte angehört? Das kann man laut Dr. Goldner nur selbst prüfen. Drei Qualitätskriterien sollte das Unternehmen auf jeden Fall auf den Grund gehen: 1. Wird in den Vertragsbedingungen auf Möglichkeiten eines psychischen Schadens aufmerksam gemacht und gesagt, dass dafür keine Haftung übernommen wird? 2. Welche Regeln werden am Anfang des Seminars aufgestellt, zum Beispiel "die Teilnehmer dürfen während des Seminars nicht reden" oder ähnliches für Seminare untypisches Verhalten. 3. Das Unternehmen muss darauf bestehen, über die angewendeten Methoden informiert zu werden. Jeder Scientologe, so Psychologe Goldner , werde auf diese Frage irgend etwas erzählen, aber mit keinem Wort auf die Methodik eingehen.



Bei der Suche nach solchen "schwarzen Schafen" der Trainerbranche werden hier und da auch schon einmal Listen zu Rate gezogen, auf denen Institute genannt sind, in denen Scientologen tätig sein sollen. Doch davon rät Dr. Goldner strikt ab. Für ihn sind diese Listen ungeprüfte, unseriöse "Rufmordlisten" und "die pure Katastrophe". Stattdessen weist er auf die kostenlose Broschüre "Die Scientology-Organisation" hin, die auch eine Vielzahl geprüfter Adressen, auch von Sektenbeauftragten enthält, bei denen man sich fachlichen Rat und Auskunft über suspekte Unternehmen holen kann. Die Broschüre ist erhältlich beim Bundesverwaltungsamt, 50728 Köln.



Veröffentlicht von: managerSeminare Nr. 26, Januar 1997